Kunstfestival Ortstermin

Frist: Sonntag, 15. Mai 2022

Kunstfestival Ortstermin
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ORTSTERMIN lädt 2022 Künstler:innen aller Sparten ein, das gleichnamige Kunstfestival in Moabit vielstimmig mit ihren Beiträgen zu gestalten.

Nachdem in den letzten beiden Jahren Themen der sozialen Grenzziehungen und die Möglichkeiten eines ›reset‹ im künstlerischen Fokus standen, geht es in diesem Jahr darum, wieder aktiv zu werden und laut-stark Position zu beziehen. Der Laut ist eine Geräuschinformation und die kleinste akustische Einheit der Sprache – eine Sinneswahrnehmung, ein akustisch-physikalisches Phänomen oder eine metaphorische Beschreibung. Als Äußerung des Widerstands ist Lautsein zudem ein Mittel der Kunst, Musik und Protestkultur. Stimmen werden erhoben, sie rufen, klagen, mahnen und kämpfen lautstark, um sich über Widerstände hinweg Gehör zu verschaffen. Trifft die Aussage »Wer schreit, hat unrecht« eigentlich zu?

Die Frage, wofür wir unsere Stimme erheben, kann auch Inhalt künstlerischen Schaffens sein. Welche Möglichkeiten haben Künstler:innen, sich Gehör zu verschaffen? Laut zu sein bedeutet, Aufmerksamkeit zu erzeugen und für Rechte zu kämpfen. Was passiert dagegen mit den Lauten, den Schreien, dem Gesang, die ungehört verklingen und ohne Widerhall bleiben? Kann man einen Aufschrei konservieren und ins Museum bringen? Welche Resonanzräume braucht ein Laut, um verstanden zu werden? Wie laut oder wie leise muss Kunst sein, um einen Nachklang zu erzeugen?

Der Kunstverein Tiergarten ruft alle interessierten Künstler:innen dazu auf, sich mit den unterschiedlichen Frequenzen und Erscheinungsmöglichkeiten von ›Laut‹ | ›laut‹ auseinanderzusetzen – lautmalerisch zwischen der Dynamik von Farben, Tönen oder Geräuschen, als vielstimmiges Miteinander und als sich Gehör verschaffender Appell.

»lieber laut« fordert dazu auf, (wieder) laut(er) zu werden, präsent zu sein, Moabit aufs Neue mit Festivalbeiträgen zu bereichern und so dafür Sorge zu tragen, dass die Kunst und die Künstler:innen nicht weggedacht, vergessen, unterversorgt, weggespart oder überhört werden – weder in noch nach Krisen. Singen wir also aus voller Kehle, spontan und gezielt! Hören wir dem Getöse zu! Erkunden wir die Lautstärkepegel und entwickeln wir gemeinsam Hörgeräte für die Kunst!

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ORTSTERMIN 2022 invites artists of all disciplines to shape the eponymous art festival in Moabit with their contributions in many voices. After the last two years, themes of social boundaries and the possibilities of a 'reset' were in the artistic focus, this year it is about becoming active again and taking a loud-strong position. The sound is noise information and the smallest acoustic unit of language - a sensory perception, an acoustic-physical phenomenon or a metaphorical description. As an expression of resistance, being loud is also a means of art, music and protest culture. Voices are raised, they shout, complain, admonish, and fight loudly to make themselves heard over resistance. Is the statement "He who shouts is wrong" actually true? The question of what we raise our voices for can also be the content of artistic creation. What possibilities do artists have to make themselves heard? Being loud means attracting attention and fighting for rights. What, on the other hand, happens to the sounds, the screams, the singing that fade away unheard and remain without echo? Is it possible to preserve an outcry and bring it to the museum? What resonant spaces does a sound need in order to be understood? How loud or how quiet does art have to be in order to resonate? The Kunstverein Tiergarten calls on all interested artists to deal with the different frequencies and possibilities of appearance of 'loud' | 'noisy' - onomatopoeically between the dynamics of colors, sounds or noises, as a polyphonic togetherness and as an appeal making itself heard. "lieber laut" calls for becoming (again) louder, for being present, for enriching Moabit anew with festival contributions, and thus for ensuring that art and artists are not thought away, forgotten, under-supplied, saved away, or overheard - neither in nor after crises. So let us sing at the top of our lungs, spontaneously and purposefully! Let's listen to the din! Let's explore the volume levels and develop hearing aids for art together!