"ins nirgenwie" - digitale utopien

Frist: Mittwoch, 15. Juni 2022

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"Die Gestalt aller künstlerischen Utopie heute ist: Dinge machen, von denen wir nicht wissen, was sie sind." Theodor W. Adorno, Vers uns musique informelle "The network is our contemporary intuition of infinity." Alan Liu

In der durch Technologien befeuerten modernen Idee des Fortschritts schimmert immer die Hoffnung auf ein besseres Morgen, wann und wie auch immer dies erreicht werden mag. Der zeitgenössische Ausdruck dieser Vision ist die kalifornische Utopie, manifestiert in der transhumanistisch ausgerichteten Singularity-Bewegung, die auf eine technische Superintelligenz spekuliert, mit deren Hilfe alle Probleme der Menschheit gelöst werden sollen - Hoffnung und Schrecken zugleich. Doch sticht auch ins Auge, dass heute vielerorts an die Stelle utopischen Denkens ein harter Realismus getreten ist. Die aktuelle Furcht vor der Dystopie, die durch klimatische, technologische und hygienische Veränderungen droht, zwingt uns zur nüchternen Betrachtung der wenigen Optionen, die uns zur Verhinderung von brutalen gesellschaftlichen Veränderungen noch zu bleiben scheinen.

Vielen Menschen geben technische Lösungen heute Anlass zur Hoffnung, die globalen klimatischen und pandemischen Geschehen in den Griff zu bekommen: Wo wären wir, wenn wir nicht mittels Gentechnologie Impfstoffe und Medikamente entwickeln könnten? Und sind Windkraftanlagen, smarte Stromtechnologien, Wasserstoff- und E-Antriebe – ermöglicht, gesteuert, beschleunigt durch IT-Technologien – nicht auch technische Antworten auf die Probleme des menschengemachten Klimawandels?

Für viele Menschen ist es wiederum beunruhigend, dass die Technologie-Utopisten des 21. Jahrhunderts wie Gates, Bezos, Zuckerberg und andere mit ihren IT-Firmen unvorstellbar reich und damit unvorstellbar mächtig geworden sind. Und noch beunruhigender kann die Tatsache wirken, dass IT-Technologien geeignet sind, unsere individuelle Freiheit durch totale Kontrolle massiv zu beschränken, siehe das Social Credit System in China, das bekanntlich auch für westliche Unternehmen und Behörden attraktiv zu werden scheint.Auch hier: Die Digitalisierung bietet Hoffnung und Schrecken zugleich.

Überschauen wir also das aktuelle Szenario der digitalen Utopie in unserer Kultur, zeigt sich: Es ist kompliziert. Genau das interessiert uns. Denn das Unüberschaubare, Verdeckte und erst im Entstehen Begriffene bietet der Kunst eine phantastische Spielwiese. Darüber hinaus enthält Kunst selbst ein utopisches Moment, sie verweist durch das Jetzt ihres Materials hindurch auf die Idee des Möglichen, Nochkommenden, reflektiert in der Phantasie der Betrachtenden. Vielleicht auch deshalb setzen sich viele digitale Künstler*innen mit utopischen Perspektiven auseinander. Wie stellt sich also die digitale Kunst dem Thema „Utopie“? Welche Sicht haben die Künstler*innen auf die Zukunft? Vor welchen Gefahren warnen sie? Welchen utopischen Träumen geben sie welchen Raum - virtuell oder im Real Life?

Die projektierte Medienkunstausstellung mit Positionen regionaler wie internationaler Künstler*innen wird aktuelle ästhetische Entwicklungen der Medienkunst untersuchen und zur Diskussion stellen. Es werden Ansätze gezeigt, die mit künstlerischen Mitteln einen Blick auf utopische Narrative werfen oder diese selbst entwickeln - sei es in der zwischenmenschlichen Kommunikation, sei es in der Mensch-Maschine-Interaktion.

>>> Du bist ein digitaler Künstler? Dann nimm mit deiner Arbeit an der großen Gruppenausstellung im Weltkunstzimmer, Düsseldorf, vom 7. bis 23. Oktober 2022, teil. Bedingungen: KOSTENLOSE TEILNAHME Künstler, Fotografen, Programmierer sind eingeladen, 1 bis 3 Werke zum Thema einzureichen. Bitte sende ein aussagekräftiges pdf mit deiner Arbeit an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! (1 Seite Textbeschreibung, 1 Seite Foto oder Illustration). Gegebenenfalls kostenlose Unterbringung in unseren Wohnungen im Weltkunstzimmer-Gebäude zur Vorbereitung der Ausstellung Einsendeschluss für diese Ausschreibung: 15. Juni 2022